PER-SET

Anat

Namensformen und Etymologie:
Der Name Anat taucht in verschiedenen Formen im Ugaritischen, Hebräischen, Akkadischen und Ägyptischen auf. In einer Liste ugaritischer Götter der 5. Dynastie wird er da-na-tu buchstabiert, ausgesprochen Anatu. Im Phönizischen schreibt man 'nt und spricht Anat, Anatu, Anath or Anata. Der Name wird aus dem Hebräischen üblicherweise als Anath transkribiert, aber er könnte auch als Anat geschrieben werden. Die akkadische Form wird gewöhnlich Anta oder Antu geschrieben. Die ägyptischen Formen sind Anant, Anit, Anti, and Antit. Die Etymologie ihres Namens ist nicht sicher, und es wurde und wird viel spekuliert. Sollte der Name von der Wurzel 'n (ayin nun), die eine Wasserquelle bezeichnet, abstammen, legt das eine Verbindung mit der Götticn Baalat Be'er nahe, (s. ein Ortsname im Vetus Testementum - cf. Baalat Be'er).

Geschichte und Geographie ihres Kultes:
Anat ist eine bedeutendere Götting der Fruchtbarkeit, Sexualität, Jagd und des Kriegs(handwerkes). Schon in prähistorischer Zeit war sie den Kanaanitern bekannt. Ihr Kult verbreitete sich im dritten vorschristlichen Jahrtausend von den fruchtbaren Gegenden an der Ostküste des Mittelmeeres weiter. Zu Beginn der phönizischen Periode (ca. 1200 v. Chr.) gab es bereits eine stattliche Anzahl von Gläubigen, die Anat verehrten. Sie war in Ugarit, einem größeren Religionszentrum, sehr beliebt und tauchte häufig in ugaritischer Literatur auf, die mythische Elemente enthält, in Listen von Göttern und Opfergaben, sowie in Votivinschriften.

Ihr Kult hatte sich zum Ende des Mittleren Reiches auch in Ägypten etabliert und wurde während der Herrschaft der Hyksos bekannt, vor allem in Unterägypten. Sie hatte ein Bildnis in Memphis (wie alle Götter außer den kleinsten Lokalgottheiten), und ihr wurden Heiligtümer in der Hauptstadt der Hyksos, Zoan (gr. Tanis), und in Beth-Shan errichtet. Ihr Ansehen in Ägypten erreichte seinen Höhepunkt unter der Regentschaft Ramses II., der Anat als seine Schutzpatronin für den Kampf annahm. Er nannte seine Tochter Bin(t)-Anat (Tochter Anats). Er baute Tanis wieder auf und vergrößerte das dortige Anat-Heiligtum und benannte die Stadt um in Pi-Ramesse (Ramses' Stadt). Papyri von der Insel Elephantine aus dem späten 6. Jahrhundert v. Chr. weisen darauf hin, dass Anat eine der zwei Göttinen war, die im Temple von Yahu (Yahweh?) auf eben jener Insel durch die Juden Verehrung erfuhren.

Im Libanon, in Syrien und Palästina hielt sich die Verehrung von Anat als Göttin bis in christliche Zeiten (ca. 200 n. Chr.), als Volksheilige vielleicht noch um einiges länger. In Ägypten wurde die traditionelle Religion bis ca. 400 n. Chr. praktiziert. Anat mag dort durchaus in einigen der Tempel verehrt worden sein, die noch bis ins frühe 6. Jahrhundert n. Chr. bestanden. Heute ist die Verehrung von Anat Bestandteil in diversen neopaganistischen Religionen und Kulten.

Titel und Beinamen:
Obwohl sie als Kriegsgöttin furchtbar war, wurde Anat auch als eine wohlwollende und gerechte Göttin der Schönheit, Sexualität und Fruchtbarkeit (von Pflanzen, Tieren und Menschen) angesehen. In ihrem kriegerischen Aspekt beschränkt sie sich darauf, die Feinde Baals zu töten.

Anat ist eine komplexe und auch zwiespältige Gottheit - was man an den ihr verliehenen Beinamen und Titeln leicht erkennen kann. Obwohl sie als Mutter betrachtet wird, ist Anats häufigster Beiname in Ugarit batulat (Jungfrau). Manchmal wird sie in Anlehnung an ihre Vorliebe für Geschlechtsverkehr und das Blutvergießen im Krieg WANTON genannt. Andere Titulaturen schließen Jugendliche Anat, Schönste Tochter-Schwester Baals, Stärke des Lebens, Anat die Zerstörerin und Herrin des Berges ein.

Diverse Titel sind aus ägyptischen Inschriften der Hyksosperiode bekannt:

  • Aramäisch, um 1700 v. Chr.: Anat-her (Anat ist zufrieden/zufriedene Anat), Herit-Anat (Anats Terror/Wut).
  • Memphis, 15. - 12. Jh. v. Chr.: Bin-Ptah (Tochter Ptahs)
  • Elephantine: Beth-El (Haus Els/Haus Gottes)

Mythologie:
In ugaritischen Texten ist Sie die Tochter von El, Schwester und Frau von Baal. Sie kann auch Rachmay sein, eine von zwei Ammen des Götterpaares, das in einem Ritualtext erwähnt ist. Sie ist auch die Zwillingsschwester von Myrrh(e). Sie nimmt an dem Kampf zwischen Baal und Yam-Nahar teil. In einem fehlenden Textstück erschlägt Sie wohl Yam und andere Feinde Baals. Während einer Siegesfeier schleicht Sie sich fort, um die Krieger zweier nahe gelegener Orte zu erschlagen. Sie watet fröhlich in deren Blut, bringt ein Friedensopfer dar und räumt das Durcheinander wieder auf. Sie schläft mit El, um die Erlaubnis zum Bau eines Baal-Tempels zu bekommen. Später, als Baal von Mot (dem personifizierten Tod) in einer archetypischen Schlacht getötet wird, bagräbt Sie Baal, verfolgt Mot und rächt sich, indem Sie Mot wie Korn schneidet, drischt, zermahlt und verbrennt (bäckt?). Sie taucht noch in diversen anderen Mythen auf.

In Zoan wurde Anat als Tochter von Ra betrachtet. Im Mythos vom Krieg zwischen Heru und Set tauchen Anat und Astarte als Töchter Ras und Gefährtinnen Sets auf (dem die Ägypter Baal gleich gesetzt hatten).

Ikonographie:
In der phönizischen Ikonographie wird Anat üblicherweise nackt, mit überbetonten sekundären Geschlechtsmerkmalen und einem Kopfputz ähnlich dem Hetherts dargestellt. Manchmal trägt sie Pfeil und Bogen und hat einen Löwen, ihr heiliges Tier, bei sich. Außerdem finden sich Darstellungen von Anat mit Speer und Schild oder Speer und Spindel.

Eine ägyptische Inschrift aus Beth-Shan zeigt Antit mit einer Federkrone. In ihrer linken Hand hält sie das Szepter des Glücks (Was-Szepter) und in der Rechten das Ankh des Lebens. Ikonographie aus Zoan, datiert auf die Zeit Ramses II. zeigt Anat auf einem Thron mit Lanze, Kampfaxt und Schild, darunter eine Inschrift: "Für Antit, dass Sie dem Ka des Hesi-Nakht Leben, Heil und Gesundheit (Ankh, Udja, Seneb) gebe."

Quellen:

  • Lilinah biti-Anat. The Phoenician Deities. Homepage link (Englisch)
  • Jordan, Michael. Encyclopedia of Gods. Facts on File, Inc. New York, 1993, "Anat"
  • Bowker, John. Dictionary of World Religions: "Anat"
  • Siren, Christopher B. Homepage link (Englisch)

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