PER-SET

Set

Namensformen und Etymologie:
Die Griechen buchstabieren Seinen Namen üblicherweise Seth. Die Varianten Setech, Setekh, Setesh and Sutekh stammen von der babylonischen Version Seines Namens, während Setekh oder Setech am nächsten an die Ausspracheregeln für die Kemetische (altägyptische) Sprache heran kommen (man fügt zum Sprechen i.d.R. ein "e" zwischen Konsonanten ein). In der Ramessidenzeit benannten sich sogar einige Pharaonen nach Ihm - die übliche Schreibweise ist hier Sethos oder - und hier haben wir dann die letzte verbreitete Schreibweise Seines Namens: Seti.

Es gibt eine weitere Theorie, woher Sein Name stammen könnte. Zwei ägyptische Worte ähneln Seinem Namen doch sehr: Das eine ist setes (was soviel wie Säule oder stabilisierender Stab bedeutet), das andere wird am besten mit "blenden" übersetzt und setken geschrieben. Und Set ist in der Tat eine stabilisierende Kraft, mit der man rechnen muss, denn ohne Ihn gäbe es das Chaos des Isfet statt "produktives Durcheinander".

Geschichte und Geographie des Kultes:
Set gehört zur Neunheit von Heliopolis und ist ein Sohn von Geb und Nut (oder Ra und Nut, je nachdem, wo man nachschlägt). Er ist der Bruder von Wesir, Aset und Nebt-het, Die Ihm manchmal als Gefährtin zur Seite gestellt wird, obwohl Set seit dem Mittleren Reich eher mit den ursprünglich ausländischen, semitischen Gottheiten Astarte und Anat verbunden wird.

Während des 3. Jahrtausends v. Chr. verdrängte Set sogar Heru als Schutzgott der Pharaonen, aber die Geschichte von Seinem Mord an Wesir sprach sich herum, und Heru kehrte an Seinen angestammten Platz zurück. Es gab ein wichtiges Heiligtum in Nubt ("Goldene Stadt" = Ombos) in Oberägypten, Seinem angeblichen Geburtsort; man hält diesen für den Ursprungsort Seines Kultes. Im noröstliche Nildelta war seine Verehrung ebenfalls verbreitet, und unter der Herrschaft der Hyksos und in der Ramessidenzeit gab es ein großes Heiligtum in Weret ("Große Stadt" = Auaris). Im elften Gau Oberägyptens gab es vermutlich ein weiteres Kultzentrum in der Stadt Hypselis.

Ich habe auch gehört, dass Set schon von den Nomaden aus der Periode Negade II verehrt wurde, wo Set zusammen mit Heru-wer als Teil der königlichen "Streitkräfte" angesehen wurde.

Titel und Beinamen:
Er ist der Herr der Wüste(nwinde), Groß an Stärke, Der Rote, Herr des Roten Landes
(d. h. der Wüste, Oberägypten - zum Vergleich Wesir als Herr des Schwarzen Landes, d. h. Unterägyptens mit seinem fruchtbaren schewarzen Nilschlamm). Im Totenbuch wir Set auch Herr des Nördlichen Himmels genannt und zeichnet verantwortlich für Stürme, Unwetter, trübes Wetter im allgemeinen etc. Er Vor Dem Der Himmel Erzittert ist ein weiterer Seiner Titel, wie auch Mächtiger von Zweifacher Stärke.

Mythologie:
Für gewöhnlich wird Set für den altägyptischen Gott des Chaos gehalten, für eine Verkörperung der Feinsdseligkeit - manchmal wird er sogar als das personifizierte Böse bezeichnet und mit Apap gleich gesetzt. Tatsächlich aber ist Er ein Name der Wüste, des Sturms, Krieges, auch fremder/feindlicher Länder. Man ruft Ihn um Schutz an, wenn sich eine Karawane für den Zug durch die Wüste, Sein Land, rüstet, aber Er ist auch gefürchtet, da Er Sandstürme herauf beschwören kann, die Reisende verderben - und das kontratiert stark mit Seinem Bruder Wesir, der u. a. auch Fruchtbarkeit verkörpert, so dass die Beiden oft Anatgonisten sind.

In the Wesir-Mythen tötet Set Seinen Bruder und verstreut Dessen Überreste überall in Kemet (Aset konnte Ihn wieder zusammen setzen, verloren blieb allerdings Wesirs Penis, den ein Fisch gefressen hatte). Der folgende Krieg dauerte achtzig Jahre; in diesen Jahren riss Set Herus linkes Auge heraus, Heru bemächtigte sich Sets Hoden. Heru ging als sieger aus den Kämpfen hervor, oder wurde vom Rat der Götter zum Sieger erklärt (nebenbei: Aset stellte sich einmal auf Sets Seite statt auf die Ihres Sohnes Heru), und wurde somit der rechtmäßige Herrscher über Kemet. Set wurde dazu gezwungen, Herus Auge zurück zu geben und wurde entweder kastriert oder getötet. In anderen Versionen der Geschichte ging Er und lebte fortan an der Seite Ras, wo Er die Stimme des Donners wurde.

Trotz seines normalerweise schlechten Rufes hat Set einige gute Eigenschaften. Er beschützt die Sonnenbarke Ras auf ihrer nächtliche Reise durch die Unterwelt und Er bekämpft das schlangenartige Monster Apep (ein Bild der beiden hier). Auf der anderen Seite sagt man Set nach, er sei eine Gefahr für den Reisenden in der Unterwelt, weil Er sich der Seelen der Unvorsichtigen bemächtige.

Das Reich Sets liegt angeblich im nördliche Teil des Himmels, und Seine Wohnstatt ist einer der Sterne in der Konstellation Khepesh (= Schenkel, Keule), dem Großen Bären. Wenn man darüber nachdenkt, ist es nicht unlogisch, dass Set im Nordhimmel residiert, denn vom Standpunkt des alten Ägypters her war der Norden eine Quelle von Dunkelheit, Kälte, Nebel und Regen , die sich alle unter den Attributen Sets finden. Übrigens nannten die Hebräer die Winterhemisphäre Sephon, ein Name, der möglicherweise mit dem Wort Saphon (Norden) verwandt ist.

Die Griechen setzten, als sie von den Göttenr Kemets erfuhren, Set schnell mit ihrem Typhon gleich, da sie Sets Stärke und Wildheit im Kampf mit Grausamkeit und blinder Wut gleich setzten. Später, als andere Kulturen und Pantheen mehr und mehr Einfluss gewannen und die alten Mythen und Geschichten verschwanden, wurde Sets ursprünglicher Sinn und Zweck vergessen. Er wurde zur Verkörperung des Bösen und schließlich dem christlichen Satan gleich gesetzt.

Ikonographie:
Set wird fast immer als Mann mit dem Kopf eines unbestimmten hundeartigen Wesens dargestellt. Dieser Kopf hat aufrechte Ohren mit viereckigen Spitzen und eine lange, abwärts gekrümmte Schnauze ähnlich der eines Ameisenbären oder Erdferkels, wie manche sagen. Manchmal wird Er mit einem gegabelten Schweif gezeigt, und es gibt ein sogenanntes Sha oder Setstier
(ein Bild davon hier), das einen windhund- oder schakalartigen Körper hat, aber Kopf und Schweif wir oben beschrieben. Angeblich wurde ein solches Tier in den spätern Neunzigern im Süden Ägyptens gesichtet, aber es bleibt ein Mysterium - und eines der ganz wenigen Wesen, das zwar als Bild für einen Namen Netjers verwendet wurde, aber nicht auf eine bekannte Tierart zurück geführt werden kann.

Persönliche Anmerkung: Da seit in den frühesten Zeiten Kemets merkwürdige Tierwesen dargestellt wurden (man denke an die berühmte Narmer-Palette), könnte ich mir vorstellen, dass Set ein sehr alter Name Netjers ist, der sich möglicherweise bis in die allerersten Tage des dynastuischen Kemet zurück datieren lässt - oder sogar noch weiter? Wie auch immer, das ist nur mein persönlicher und privater Standpunkt.

Sets heilige Tiere sind die Gazelle/oryx, der Esel, das Krokodil, das Nilpferd (als ein Wesen, das Felder zertrampelt und Boote zum Kentern bringt), sowie das Schwein. Durch die Wesirmythen finden wir auch den Fisch unter Seinen Tieren - und die Schlange. Manche Wissenschaftler zählen auch Hunde und Schakale zu Seinen Tieren, aber beim Schakal fängt die Vermischung mit Yinepu, Sets Sohn an (viele verwechseln Set und Yinepu ohnehin), daher sei der Schakal nur als Randnotiz vermerkt. Den Hund kann man als Erklärungsversuch für das Tier Sha ansehen, eingeführt im 18. oder 19. Jahrhundert, da man sich keinen Reim auf die merkwürdige Kreatur machen konnte. Für eine "Hundeverehrung" habe ich weder Anzeichen in meinen wissenschaftlichen Büchern über Kemet gefunden, noch fand man jemals auch nur einen mumifizierten Hund.

Ich merkte oben an, dass die Schlange und das Setstier Symbole Sets sind, aber es gibt seltene Fälle, wo Set als Mann mit Bart und Schweif dargestellt ist, der die üblichen Götterinsognien trägt. In einem Beispiel, das Lanzone beschreibt, trägt jener Name Netjers den Titel "Mächtiger von Zweifacher Stärke (ein Titel Sets)" und wird begleitet von Nebt-het, die auf Ihrem Kopf ein Hörnerpaar und die Sonnenscheibe trägt.

Verschiedene Tiere, die im Wasser leben, oder zumindest teilweise an Land und im Wasser, wurden gleichfalls als Symbole Sets betrachtet, und als Wesen, in denen Er sich verkörpern konnte. Unter diesen befindet sich die Schlange Apep (interessant, wie Set manchmal Apep ist, in ihm wohnt oder ihn tötet, nicht wahr?), ein Fabeltier namens Akhekh, das einer Antilope mit durch drei Uräen gekröntem Vogelkopf gleicht und ein Flügelpaar besitzt, die Schildkröte uvm. Diese Tiere wurden aber nicht als einzige als zu set gehörig betrachtet, denn viele Kreaturen, die im Wasser oder in der Wüste gefangen wurden, wurden als Wesen Sets betrachtet - oder gar als dessen Inkarnationen, wenn sie rotes oder rotbraunes Fell hatten - später wurden darüber hinaus auch rothaarige Menschen als von Set beeinflusst/begünstigt wahrgenommen.

Sets Farbe ist Rot, rot wie der Sand Seines Landes, wie im Kampf vergossenes Blut, wie... naja, wie Leidenschaft, und wie Feuer, metaphoriches und tatsächliches. Seine Geburt wird am dritten (und damit mittleren) der Epagomenen des kemetischen Jahres gefeiert.

Mehr über Set und Seinen Krieg gegen Ra/Heru/Wesir findet sich HIER.

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Set und Pharaonen

Das hier ist interessant, obwohl ich nicht mit allem übereinstimme, was gesagt wird. Troztzdem ein faszinierender Standpunkt.

Heru sagt zum König: "Ich werde dir ein Lebne geben wie das von Ra, und Jahre so viele wie die Jahre von Tem." Set sagt: "Ich setze die Krone auf deinen Kopf wie die Sonnescheibe [auf den Kopf] Amen Ras, und ich werde dir alles Leben und Gesundheit und Stärke verleihen." In Ihrer Funktion als Lebensspender halten beide Namen eine gekerbtes Palmblatt in der Hand, die Hieroglyphe für "Jahre", die auf einem Frosch ruht, sowie das Sybol des Weges der Sonne am Himmel und das der Ewigkeit. In einer anderen Szene sieht man, wie Set Thutmoses III im Gebrauch des Bogens unterweist (in Verbindung mit dem Symbol von Nit), während Heru ihm zeigt, wie man mit einer stabförmigne Waffe umgeht.

Laut Dr. Brugsch ist Set der Gott der Abwärtsbewegung der Sonne in der unteren Hemisphäre, in südlicher Richtung, und deswegen sei er die Quelle der zerstörerischen Hitze des Sommers; und da die Tage nach der Sommersonnenwende wieder kürzer werden, wurde deklariert, Set stähle das licht von Heru oder Ra, und er sei daher als Quelle allen Übels angesehen, das daraus folgt, sei es physisch oder moralisch. Das Licht, das Djehuty nach Neumond brachte, wurde von Set soi schnell wie möglich fort genommen, um die Macht über diese Lichtquelle zu erlangen, und Set wurde daher natürlich für die Ursache von Wolken, Nebel, Regen, Stürmen, Orkanen, Erdbeben und Sonnenfinsternissen gehalten - kurz als Verursacher von allem, was den "natürlichen" Lauf der Natur erschütterte/umkehrte. Vom moralischen Standpunkt aus war Er also das verkörperte Böse, die personifizierte Sünde.

So, hier kommen wir also wieder zum Klischee von Set als der archetypische Bösewicht. Ich bin erleichtert, dass auch Wissenschaftler Aspekte übersehen, die etwas tiefer unter der Oberfläche verborgen sind - das es nicht nur ein Fehler ist, den "normale" Leute machen.

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Theorien und Zitate bezüglich Set-Typhon

Etwas arg wüst und unkoordiniert, aber interessant ist dieses Buchzitat (die Quelle ist mir leider entfallen), das angebliche Riten der Ägypter für/gegen Set wiedergibt:

In Plutarchs De Iside et Osiride (62) werden wir darüber informiert, dass Typhon Set genannt wird, und Bebo und Smy, "alle diese Worte von einer gemeinsamen Bedeutung, die gewisse gewalttätige und gewaltsame Bezwingung nahelegen, wie auch Gegensätzlichkeit und Subversivität"; uns wird zudem von Manetho gesagt, dass der Magnet(eisen)stein von der Bevölkerung Kemets "Knochen des Heru" und Eisen "Knochen des Typhon" genannt wird.

Diese Information ist sehr interesant, beweist sie doch die Synonymität von Set und Typhon, wie diese auch in diversen Inschriften bestätigt wird. Der Name Seth ist natürlich Set; Bebo ist der ägyptische, Baba und Smy ist Smai, der altbekannte ägyptische Name für Set als der Erzfeind. Die Handlanger Sets wurden Smaiu genannt, und der Determinativ zeigt, dass das Konzept "Gewalttätigkeit" im Namen eingeschlossen ist. Dass Eisen mit Set/Typhon verbunden ist, wird klar in der Passage, die Dr. Brugsch zitiert und in der Dhejuty von Set das Messer beschafft haben soll, mit dem er den Stier aufschnitt.

Auf der anderen Seite hielt man die Tiere, welche in der Jadg Verwendung fanden (z. B. Hunde, Geparden u. a.) für heilige tiere gewisser Götter, und laut Plutarch (De Iside, 72) "Verwandelten sich Die Götter aus Furcht vor Typhon in diese Tiere und verbargen sich vor seinen Ränken in der Gestalt von Ibissen, Hunden und Falken". Die Opferung von Tieren, die man mit Set verbindet, spilte eine wichtige Rolle in der ägyptischen Religion, und in den Jahreszeiten, in denen man dachte, dass Set am meisten Einfluss habe, wurden regelmäßig Versuche gemacht, ihn mit Opfergaben zu besänftigen.

Daher opferte man im Monat Pachons eine Antilope, um zu verhindern, dass Set den Vollmond angriff, und ein schwarzes Schwein wurde auf einem Sandaltar am Nilufer in Stücke gehauen. Am 26. Tag des Monats Koiak, dem Tag der Wintersonnenwende, schlachtete man einen Esel, und ein Bildnis des Schlangenfeindes wurde zertrümmert. Am ersten Tag des Mesore, dem Fest des Heru-Behedety, fing man viele Fische und Vögel, und die, von denen man dachte, sie wären von typhonischem Charakter, wurden zertrampelt und man schrie dazu: "Ihr sollt zerschnitten werden, und ein jeder von euch soll den anderen fressen; so triumphiert Ra über seine Feinde, und so triumphiert Heru-Behedety, der große Gott, der Herr des Himmels, über all seine Feinde." Bei solchen Gelegenheiten, berichtet Plutarch, wurden Sistren in den Tempeln geschüttelt, denn dieses Geräusch vertreibe Typhon; was heiße, dass so, wie Korruption den natürlichen Lauf der Welt verlangsamt und zum Halten bringt, so löst die Schöpfung durch Bewegung diesen knoten wieder auf und bringt das Leben zu seiner alten Stärke zurück.

Der Hauptgegner von Set war die Nilpferdgöttin Reret, die angeblich diese Macht der Dunkelheit sicher an eine Kette gelegt hatte; diese Göttin wird normalerweise als Nilpferdkörper mit Kopf und Armen einer Frau dargestellt, in jeder Hand hält sie ein Messer. Ihr Tempel hieß Het-Kaat. Die Aufgabe der Götting war es, den bösen Einfluss von Set im Zaum zu halten und einen Weg im Himmel für die Geburt von Heru-sma-taui (den Dr. Brugsch mit der Frühlingssonne identifizierte) frei zu machen/halten; die Texte lassen allerdings keine Zweifel daran, dass diese Reret nichts weiter war als eine Form von Aset.